„Schützen durch Nützen“ – das Motiv der Krefelder Baudenkmal-Stiftung

KBDS-Rennbahn-7Der Denkmalschutz ist für Stadtplaner, Architekten und nicht zuletzt den Bauherren ein schwieriges Thema, über das sich trefflich streiten lässt. Einerseits: Nicht alles, was alt ist, muss eines Denkmals würdig sein. Andererseits: Dass etwas denkmalwert war, erkennt man manchmal erst, wenn es nicht mehr vorhanden oder zu retten ist. Und dann ist es zu spät.

In Krefeld haben wir für solche Problemstellungen hinreichend Belege. Aktuell: Ist das Bayer-Casino schützenswert? Wenn sonst nichts ist: Warum eigentlich soll „Et Bröckske“, das ehemalige Brauhaus in der Innenstadt, denkmalwürdig sein? Dauerbrenner: Wie lange hält die Bausubstanz im Hallenbad Neusser Straße noch dem Verfall stand? Historisch: Wie war es in den 70er Jahren möglich, die alte Markthalle abzureißen?

KBDS-Gartenhaus-382Jüngstes Projekt: das Gartenhaus hinter Haus Esters
Die Krefelder Baudenkmal-Stiftung hält sich nicht mit end- und manchmal fruchtlosen Diskussionen auf, sondern verfährt nach dem Motto von Erich Kästner: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Kürzlich erhielt der Krefelder Oberbürgermeister die finanzielle Zusage der Stiftung über 20.000 EUR zur Sanierung des maroden Daches auf dem Gartenhaus im Park von Haus Esters an der Wilhelmshofallee.

Noch vor Einbruch des Winters soll das nur auf den ersten Blick unscheinbare Gebäude, das 1923 von den „Deutschen Werkstätten Dresden-Hellerau“ gebaut wurde und als Beispiel eines frühen „Fertighauses“ gelten kann, dicht gemacht werden.

KBDS-Reymann-375Auf insgesamt 78.000 EUR schätzt Klaus Reymann, der Vorsitzende der Stiftung, die Kosten für die umfassende Herrichtung und ist zuversichtlich, dass hier in absehbarer Zeit ein Raum für die Museumspädagogik der Krefelder Kunstmuseen geschaffen wird und Kinder an die Schätze der benachbarten Haus Esters und Haus Lange herangeführt werden können. Diese Nutzung des Denkmals betrachtet Architekt Reymann als essentiell für die Arbeit der Stiftung. Oder wie er es auf die Formel bringt: „Schützen durch Nützen.“

KBDS-EstersLange-389Unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Mit seiner Frau Gabriele hat Reymann die Krefelder Baudenkmal-Stiftung im Sommer 1995 ins Leben gerufen. Damals hatte der Architekt gerade sein „wichtigstes Projekt“ abgeschlossen: die Renovierung und Restaurierung der Tribünen und Gebäude der Galopprennbahn im Krefelder Stadtwald, die heute als eine der schönsten Anlagen deutschlandweit gilt. Mit dieser Stiftung wollte er dem Gedanken des praktizierten Denkmalschutzes in seiner Heimatstadt eine Heimat geben.

Die Krefelder Stiftung ist eine von 220 Stiftungen, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) treuhänderisch unter ihr Dach genommen hat. Die DSD wurde 1985 in Bonn gegründet unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und begleitet aktuell 320 Projekte in NRW. Die Finanzierung resultiert aus Spenden, Erträgen der Treuhandstiftungen, Mitteln der GlücksSpirale oder der Rentenlotterie von WestLotto. Gefördert werden können alle Baudenkmale, die unter Denkmalschutz stehen, auch technische und städtebauliche Denkmale. Nicht gefördert werden Rekonstruktionen zerstörter Baudenkmale.

KBDS-DeussTempel-565Seit ihrer Gründung hat die Krefelder Baudenkmal-Stiftung eine Reihe von denkmalgeschützten Bauwerken in der Stadt finanziell unterstützt: die Eisenbahnbrücke am Voltaplatz, Sockel und Inselgestaltung auf dem Bismarckplatz, die Restaurierung der Mies-Denkmäler Haus Lange und Haus Esters, die Instandsetzung des Deuss-Tempels im Stadtwald oder auch die Restaurierung des historischen Tores an der Mennoniten-Kirch-Straße.

Ständig kommen neue Förderprojekte hinzu, für die die Stiftung als Spendensammelbecken fungiert und zugleich mit Expertenrat und -tat zur Seite steht. Entschieden und begleitet werden die Fördermaßnahmen durch den Stiftungsvorstand mit Klaus Reymann als Vorsitzendem und Armin te Neues als Stellvertreter und das Kuratorium unter dem Vorsitz von Helmtrud Köhren-Jansen, Denkmalexpertin beim Landschaftsverband Rheinland.

Spendenkonto
Krefelder Baudenkmal-Stiftung
Sparkasse Krefeld (BLZ 320 500 00), Kontonummer 40030

Bilder: Peter Bauland

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